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Selbstverwaltung


Nutzungsstatuten legen Spielregeln fest

Das Ökozentrum ist ein Gemeinschaftsprojekt von 18 Einrichtungen: Betrieben, politischen & ökologischen Initiativen und einer Wohngruppe. Arbeiten und Wohnen, Betriebe und politische Initiativen unter einem Dach ergänzen und unterstützen sich gegenseitig. Die NutzerInnen haben gemeinsam Statuten entwickelt, die als Grundlage für jeden Neueinstieg und die alltägliche Betriebs- und Initiativenarbeit gelten. In erster Linie ist damit die Selbstverwaltung festgeschrieben, die sowohl innerhalb der Betriebe und Initiativen auch für das ganze Haus gilt. Außerdem legen die Nutzungsstatuten ökologische Standards und solidarische Regeln für dasHaus fest.

 

Das Gesamtprojekt in den Händen
seiner Nutzungsgruppen

Alle drei Wochen findet ein NutzerInnen-Treffen statt, das allen Gruppen offen steht. Hier treffen wir wichtige, und manchmal auch weniger wichtige, Entscheidungen. Alle Nutzungsgruppen benennen ein/e Vertreter/in für das Treffen. Leider nehmen viele Gruppen nur unregelmäßig teil. Entscheidungen treffen wir grundsätzlich im Konsens. Falls auch nach einem Mediationsprozess kein Konsens zu erreichen ist, kann auch mit Mehrheit abgestimmt werden. Seit 1997 kam es lediglich zu einer Abstimmung, bei einer weiteren Entscheidung entschied der Würfel. Worum es dabei ging, erfahrt Ihr: hier.

Da das Ökozentrum weder eine/n feste/n GeschäftsführerIn noch eine/n HausverwalterIn hat, sind die vielfältigen Aufgaben von Finanzfragen über Instandhaltung bis Öffentlichkeitsarbeit auf alle NutzerInnen verteilt. Tauschringartig ist das "ÖZI-System" aufgebaut, in dem jede Gruppe im Haus ein bestimmtes Stundenkontingent erbringt - eine Stunde bleibt eine Stunde, egal ob in dieser Zeit die Wege vor dem Haus gefegt, die Computeranlage gewartet oder die DarlehnsgeberInnen betreut werden.
Die fünf vertraulichsten Aufgaben - Finanzen, Instandhaltung, Arbeitskoordination (für das ÖZI-System), Kontaktperson und Vereins-Beauftragter - werden per Wahlverfahren durch das NutzerInnentreffen besetzt und ihre Inhaber übernehmen auch weitere anfallende geschäftsführende Tätigkeiten. Für Außenstehende ist es daher manchmal recht schwierig herauszufinden, wer für was zuständig ist. Es empfiehlt sich, einfach mehrere Leute zu fragen und zu hoffen, dass sich eine Mehrheitsmeinung herausbildet. So kommt man mit den Leuten gleich ins Gespräch! Wem das zu kreativ ist, kann auch gleich die erste Person bitten auf der jeweils aktuellen "ÖZI-Liste" nachzusehen.

Der Verein Ökozentrum e.V. ist Eigentümer und Träger des gesamten Projektes und zahlreicher gemeinsamer Aktivitäten. Mitglieder sind die Nutzungsgruppen, so dass die Mitbestimmungsrechte an die Zugehörigkeit zum Projekt gebunden sind.
Eine Sonderstellung hat dabei die Genossenschaft Aller Wohnen e.G., die auch die Eigentümerin der Wohnräume im Ökozentrum ist und ebenfalls durch ihre BewohnerInnen selbstverwaltet ist. Die AllerWohnen besitzt auch einen ehemaligen Bauernhof 8 km von Verden entfernt, auf dem derzeit etwa 20 Erwachsene und Kinder leben, sowie das Grundstück der Gemeinschaftssiedlung Neumühlen.

 

Selbstverwaltung bedeutet
Demokratie in der Wirtschaft

Alle Initiativen und Betriebe im Ökozentrum gewähren ihren dauerhaften und und mindestens 15h/Woche beschäftigten MitarbeiterInnen folgende Rechte:

  • Recht auf Mitgliedschaft in der Rechtsform der jeweiligen Gruppe
  • Recht auf gleichberechtigte Mitgliedschaft in dieser Rechtform nach dem genossenschaftlichen Prinzip "ein Kopf - eine Stimme"
  • Recht auf Zugang zu allen betriebsrelevanten Informationen
  • Recht auf Einarbeitung, die zur Selbstverwaltung befähigt
  • Recht auf Klärung von Konflikten mit Hilfe eines neutralen Schlichters bevor andere Maßnahmen ergriffen werden.

 

Selbstverwaltung bedeutet Solidarität
und soziale Kontrolle des Kapitals

Derzeit fließen die im Ökozentrum gezahlten Mieten neben der solidarischen Mitfinanzierung unseres Tagungshauses vor allem in die Zinszahlung und Tilgung des von Privatpersonen geliehenen Kapitals. Mittelfristig wird das Ökozentrum jedoch Überschüsse erwirtschaften. Das Ökologische Zentrum e.V. hat sich verpflichtet, diese Überschüsse für gemeinnützige Zwecke zu verwenden. Eine Mietsenkung für nicht-gemeinnützige NutzerInnen unter das ortsübliche Niveau ist ausgeschlossen. Die Allerwohnen e.G. verwendet ihre zukünftigen Überschüsse ihrerseits für die Förderung neuer Wohnprojekte. Diese Regeln sind praktisch unabänderbar in den jeweiligen Satzungen festgeschrieben. Damit ist die Privatisierung des gemeinsam geschaffenen Kapitals, etwa durch Niedrigmieten oder Verkauf des Hauses, langfristig ausgeschlossen. Das Eigentum ist sozial gebunden, die Immobilie der Spekulation entzogen.

Die NutzerInnen des Ökozentrums haben darüber hinaus gut 90.000 € an langfristigen Einlagen aufgebracht. Sie dienen als vorrangig haftendes Eigenkapital des Vereins. Die Einlagen werden unter den Nutzungsgruppen nicht nur nach Quadratmetern, sondern auch nach Zahlungsfähigkeit verteilt. Bei der AllerWohnen gilt eine entsprechende Regelung.

Das trifft für die Mieten zu. Gemeinnützige Initiativen mit weniger Einnahmen zahlen weniger pro Quadratmeter als Betriebe. Innerhalb dieser beiden Gruppen wird ebenfalls auf Leistungsfähigkeit geschaut.

Die Verteilung von Mieten und Einlagen unter den Nutzungsgruppen wird bei einem jährlichen "Finanzgipfel" besprochen und ggf. neu verteilt. Dabei tauschen sich die NutzerInnen auch über ihre aktuelle wirtschaftliche Lage aus. Zudem besprechen und beschließen wir die jährlich aktualisierte Wirtschaftlichkeitsberechnung des Ökozentrums. Alle Zahlen stehen allen NutzerInnen offen.

 

Selbstverwaltung ist eine weltweite Bewegung mit Tradition

Selbstverwaltetes und solidarisches Wirtschaften ist eine weltweite Bewegung. Wir sehen uns in der Tradition von Genossenschaften, Alternativbetrieben, der Bewegung für Solidarische Ökonomie in Lateinamerika. Hinweise zu vielen Projekten findet Ihr unter Links und unter www.solidarische-oekonomie.de.

 

Foyer des Ökozentrums